KiBi Baby Carrier – Erfahrungsbericht

Letzte Woche durfte ich eine weitere Trage testen: KiBi Baby Carrier 

Diese Fullbuckle-Tragehilfe stammt aus Tschechien. Ziel bei der Herstellung war es, eine Trage zu konstruieren, die sehr universell ist, lange mit dem Baby/Kleinkind mitwächst und dabei für eine große Anzahl Erwachsener gemütlich ist. Die Firma hebt vor allem den einzigartigen Rückenteil hervor, denn dieser ist an einigen Stellen verstellbar und somit für das wachsende Kind sehr gut einstellbar. Empfohlen wird die Trage für Babies ab 4 Monaten (60cm) bis 20kg (laut Firma ca. 3 Jahre).

Derzeit sind online 16 Designs verfügbar zu einem Preis von 108€ (+12€ Versand). Das Design, welches mein Tester hat, heißt BW (black and white) Stripe. Der Stoff ist Baumwolle.

 

Der Hüftgurt

Der gerade (also nicht gebogene) Hüftgurt ist von einer Länge ab 62 cm bis 140 cm nutzbar. Schmale Eltern können das restliche Band mittels eines Gummis fixieren, sodass es nicht locker runterhängt. Der Gurt hat eine Sicherheitsschnalle (Bild siehe später bei den Trägern), welche durch einen kleinen Schieber verriegelt werden kann. Außerdem gibt es noch einen Sicherungsgummi, unter den der Gurt geschoben wird, damit notfalls immer noch Halt da ist, falls die Schnalle geöffnet wird. 

Die Polsterung des Hüftgurtes ist an zwei Stellen unterbrochen, das heißt es besteht aus 3 Elementen, die mit einem elastischen Gummi verbunden sind.

Der Steg

Der Steg ist verstellbar von ca. 34cm bis zu 51 cm. Zum einen wird dies durch 4 Druckknöpfe auf jeder Seite ermöglicht und zum anderen ist in der Mitte noch ein Zugband. So lässt sich der Steg stufenlos verstellen. Die Flächen, wo die Beine des Kindes aufliegen, sind unterpolstert.

Das Rückenteil mit Kopfstütze

Das Rückenteil ist von 34cm bis 52cm einstellbar, zum einen über Schnallen im unteren Teil und zum anderen ist es oben entlang der Träger verschiebbar. Die Schnallen raffen die Seiten am unteren Teil der Trage und bringen somit auch die Trägeransätze tiefer nach unten. 

 

Der obere Teil des Rückenpaneels ist so konstruiert, dass man ihn leicht mittels eines Tunnelzugs an den Trägern hochziehen kann. Um es für größere Kinder  möglichst hoch zu fixieren, sind an jeder Seite kleine Karabinerhaken, die man am oben Teil des Trägers einhängen kann, sodass das Rückenteil sich nicht mehr nach unten schiebt. 

Zuletzt haben wir dann noch die Kapuze, welche an den Seitenkanten mit elastischen Bändern versehen ist, die in Gurte mit Schnallen enden. Diese Schnallen kann man am Träger schließen um die Kapuze zu fixieren.

Die Träger

Die Träger sind leicht gebogen und mit einer Sicherheitsschnalle versehen. Dadurch, dass man sie öffnen kann, können sie parallel oder über Kreuz getragen werden. Sie haben oben eine Schnalle, mit der man die Polsterung verschieben kann und eine höhenverstellbare Verbindungsschnalle um die Träger vor dem Rutschen zu sichern (beim parallel-Verlauf).

Zusammengerollt kann man die Trage sehr leicht transportieren oder als Hüftsitz "für mal eben schnell" nutzen. 

 

 

Meine Eindrücke

Für eine Fullbuckle-Trage finde ich die KiBi angenehm leicht und nicht übermäßig wuchtig. Das Design mit den schwarzen und weißen Streifen ist sehr schlicht. Es spricht nicht jeden unbedingt an, aber im Onlineshop von MamaMon findet ihr weitere tolle, auch sehr farbintensive Designs.

Ein Lob möchte ich für die Anleitung aussprechen. Neben der Erklärung, wie man die Trage nutzt, sind auch einige Infos rund um die Sicherheit enthalten, sowie Tipps (Hüftgurt hoch bei kleinen Babies, runter bei Toddlern). Leider werden die Polsterschnallen nicht erklärt, welche ich aber bei dieser Trage extrem wichtig finde, um sie komfortabel einzustellen.

Den Hüftgurt finde ich an sich gemütlich und gut durchdacht, aber beim Tragen vor dem Bauch hatte ich das Gefühl, dass er sich hinten hochzieht und meine Wirbelsäule nicht genug gestützt wird. (Das kann aber daran liegen, dass ich sehr schlank bin).

Positiv sind auf jeden Fall die Sicherung durch das Gummiband und die Verriegelung der Schnalle. Die unterbrochene Polsterung  hat den Vorteil, dass man den Steg besser verstellen kann, denn sobald man diesen mit dem Zugband enger zieht, wird auch der Hüftgurt zusammen geschoben. Das ist clever durchdacht, denn so gibt es keine störenden Falten.  

Die Kombination aus Druckknöpfen und Zugband um den Steg zu verstellen finde ich gelungen. Die Knöpfe sind sehr einfach in der Handhabung und mit dem Band kann man die Feineinstellung vornehmen. Insgesamt geht der Steg sehr breit, was ich sehr gelungen finde.

Nun zum wichtigsten Punkt: Das Rückenteil mit Kapuze. Fangen wir mal unten an: Leider ist der Beutel sehr groß und lässt sich nicht verkleinern. Dadurch, dass die Schnallen nur die Seiten zusammenraffen, bleibt in der Mitte noch viel Stoff über. Ich persönlich finde die Trage für kleine Kinder nicht geeignet. Die Firma sagt aber selbst, dass die Trage erst ab 4 bis 6 Monaten geeignet ist und man schauen soll, dass der Steg gut passt. Bei größeren Kinden , ich würde schätzen ab Größe 74/80 ist der Beutel besser ausgefüllt. Wenn man sich also an die Größenvorgaben hält, passt der untere Teil der Trage gut bis sehr gut!

Am meisten an dem Rückenteil stört mich die waagerechte Naht zwischen Beutel und oberen Rückenteil. Die Naht ist auf Höhe der Schnallen und genau dort sammelt sich der meiste Druck. Ich habe das Gefühl, vor allem kleine Kinder werden um den Po und unteren Rücken nicht ausreichend gestützt und haben viel Druck auf den mittleren Rücken. Auch bei meinem Sohn mit Größe 80 merke ich, dass dort die meiste Spannung ist.

Das obere Rückenteil, also oberhalb der Naht, ist bei kleinen Kindern zusammengeschoben. Auch hier hatte ich den Eindruck, dass das Kind dadurch nicht optimal gestützt wird. Bei meinem Sohn habe ich das Rückenteil hochgezogen und hatte den Eindruck, dass die meiste Spannung zum einen sehr weit oben ist (an der oberen Kante), dann der obere Rücken nicht komplett von dem Stoff gehalten wird (siehe Falten auf dem Bild), auf Höhe der Naht aber wieder mehr Druck ist. Ich hatte den Eindruck, dass das Gewicht nicht gleichmäßig ins Rückenteil gegeben wird.

Bei richtiger Einstellung und richtigem "Einbeuteln" des Kindes kann das Kind dennoch gut in der Trage sitzen. Wie oben bereits erklärt, ist das mein persönliches Empfinden.

Die Kapuze haben wir genutzt, als mein Sohn geschlafen hat. Leider ist es sehr schwierig, die Schnallen zu schließen, wenn man vor dem Bauch trägt, da diese zusammen mit der Verbindungsschnalle entlang der Träger verschoben werden. Das heißt, wenn ich die Verbindungsschnalle auf Höhe der Schultern haben möchte, also recht tief, komme ich kaum noch an die Schnallen für die Kapuze dran.

 

Trotz dieser Anmerkungen möchte ich betonen, dass die Idee eines verstellbaren Rückenteils genial ist (ähnlich wie bei der Ruckeli-Trage). Vor allem wenn man sein Kind vorne trägt, ist es unglaublich praktisch, das Rückenteil hochziehen zu können, sobald das Kind schläft. Größere Kinder wollen oft die Arme aus der Trage holen, doch wenn sie dann schlafen, kann man diese sanft wieder hineinschieben und den Stoff am Rücken hochziehen und so das Kind im Schlaf stützen. Durch die beiden Verstellmöglichkeiten (Schnallen im unteren Bereich und Verschieben im oberen Bereich) kann man das Rückenteil sehr gut für unterschiedlich große Babies und Kleinkinder anpassen.

 

Leider konnten mich die Träger nicht 100%ig überzeugen. Ich habe verschiedene Varianten ausprobiert: Vor dem Bauch und Träger parallel, vor dem Bauch und Träger über Kreuz, auf dem Rücken und Träger parallel. Als ich das erste mal vor dem Bauch trug und die Träger parallel verlaufen lassen habe, störte es mich unheimlich, dass die Träger so nah unter den Achseln verlaufen. Dies konnte ich über ein paar Einstellungen (Polsterschnalle, Schnallen im unteren Bereich des Rückens) ändern.

Doch auch als ich dies alles angepasst habe und auch die Verbindungsschnalle schön tief auf die Schulterblätter gesetzt habe, war es mit meinem 10kg Baby nicht angenehm. Zunächst einmal spürte ich die Befestigung des Verbindungsstücks an den Trägern sehr stark und nach einiger Zeit ist mir sogar ein Arm eingeschlafen. Da ich nicht glauben konnte, dass es so ungemütlich ist, habe ich der Trage noch eine Chance gegeben und den Hüftgurt tiefer angesetzt. So hatte ich keine Probleme.

Dennoch brauchte ich 3 Spaziergänge um die Trage für mich so einzustellen, dass die Träger gemütlich sind. Ich glaube, dass Mütter ohne Trageberatung nicht wissen, worauf sie zu achten haben und was sie wie verstellen können, damit die Trage an ihren Körper angepasst ist.

Beim Tragen über Kreuz sind mir die Träger leider zu nah an den Hals gerutscht. Das mag aber an meiner Statur liegen. Generell ist es natürlich super, dass die Möglichkeit gegeben ist, die Träger zu kreuzen.

Was ich nicht so praktisch finde, ist dass man beim Tragen vor dem Bauch die Gurte nach hinten stramm ziehen muss. Das ist nicht unbedingt immer einfach.

Leider hat mein Sohn es auch geschafft, die Polsterschnalle zu lockern und so meine Einstellungen zunichte gemacht.

Ich habe die Trage später zu einem Treffen mit anderen Beraterinnen genommen und dort wurde sie als sehr bequem eingestuft. Auch hier macht der Körperbau einer jeden Person natürlich viel aus.

 

Auf dem Rücken tragend hatte ich auch zunächst das Problem, dass mir die Träger zu nah unter den Achseln verliefen, aber das konnte ich ja wie bereits erwähnt gut einstellen. Mit den richtigen Einstellungen war es sehr angenehm auf dem Rücken zu tragen. Das Gewicht meines Sohnes lag nicht schwer auf meinen Schultern.

Eine Sache noch: Man kennt es von anderen Herstellern, dass die Träger unten am Hüftgurt befestigt werden, vor allem bei den babysize-Tragen. Oft gibt es erst bei den Toddler-Tragen die Möglichkeit, die Träger am Rückenteil zu befestigen. Bei der KiBi ergibt es sich so, je größer das Kind, desto höher rutschen die Trägerenden, denn sie bewegen sich mit Öffnen der Gurte am Po-Bereich nach oben.

Mein Fazit

Die KiBi-Trage hat sehr viele gut durchdachte Einstellungsmöglichkeiten und ist größentechnisch über einige Schnallen und Knöpfe variabel anpassbar. Meiner Meinung nach sollte das Rückenteil nicht über eine Naht in zwei Bereiche geteilt sein um eine gleichmäßige Stützung des kindlichen Rückens zu ermöglichen. Ich würde die Trage für Toddler eher empfehlen als für kleine Kinder.

Mit nur 108€ liegt die Trage im günstigen Preissegment, wobei sie trotzdem sehr gut verarbeitet ist. Da ist auf jeden Fall noch das Geld drin für die nötige Trageberatung. Trotz einer guten Anleitung sollte man die Trage zusammen mit einer geschulten oder erfahrenen Person auf sich und das Kind einstellen. 

Zuletzt findet ihr noch Tragebilder mit meiner Puppe und 2 Mädels im Alter von etwa 6 Monaten.